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Schlechte Raumakustik im Büro: Lärm und Nachhall beeinträchtigen Konzentration und Gesundheit

Ratgeber · Raumakustik · Grundlagen

Grundlagen der
Raumakustik

Nachhallzeit, Schallabsorption, DIN-Normen – die physikalischen und normativen Grundlagen für wirksame akustische Maßnahmen in Gewerbe und Industrie. Das theoretische Fundament für Ihre Akustikplanung.

Bessere Raumakustik | Schallminderung GbR
DIN 18041 Theorie & Physik B2B Fachhandel

Was ist Raumakustik?

Raumakustik ist die Wissenschaft von der Ausbreitung, Reflexion und Absorption von Schall in geschlossenen Räumen. Sie bestimmt, wie Sprache und Klänge wahrgenommen werden und damit unmittelbar, wie konzentriert und produktiv Menschen in einem Raum arbeiten können.

Schlechte Raumakustik ist kein ästhetisches Problem: Sie erhöht den Geräuschpegel messbar, erschöpft das Gehör, verringert die Sprachverständlichkeit und steigert die Fehlerquote bei kognitiver Arbeit. Für gewerbliche Arbeitsstätten bilden DIN 18041 und ISO 11690 anerkannte technische Planungsgrundlagen; verbindlich sind die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und die ASR A3.7.

Schallverhalten in geschlossenen Räumen

Jeder Schall, der in einem Raum entsteht, legt mehrere Wege zurück. Die Summe dieser Wege bestimmt, wie ein Raum klingt.

Schallverhalten im Raum: Direktschall (gold), Frühreflexion (orange, erste Reflexion unter 50 ms) und diffuser Nachhall (rot, Mehrfachreflexionen über 50 ms). Die Summe aller Wege bestimmt die Raumakustik.

Direktschall

Der kürzeste Weg von der Schallquelle zum Empfänger ohne Reflexion. Er trifft zuerst ein, ist am lautesten und trägt am stärksten zur Sprachverständlichkeit bei. Der Direktschall trägt am stärksten zur unverfälschten Sprachverständlichkeit bei.

Frühreflexionen

Schall, der mit weniger als 50 ms Verzögerung nach dem Direktschall eintrifft (erste Reflexion von Decke, Wand, Boden). Das Gehör integriert Frühreflexionen mit dem Direktschall (Haas-Effekt). Sie können die Lautheit erhöhen und bei günstigen Laufzeitdifferenzen die Sprachverständlichkeit unterstützen.

Nachhall

Mehrfachreflexionen, die mehr als 50 ms nach dem Direktschall eintreffen. Sie überlagern neue Sprachsilben mit den Resten vorangegangener Silben und verschlechtern die Verständlichkeit messbar. Lange Nachhallzeiten erhöhen typischerweise den wahrgenommenen Geräuschpegel und erschweren konzentriertes Arbeiten.

Die physikalischen Kenngrößen

Bei der Raumakustik-Bewertung sind vier Kenngrößen maßgeblich. Sie bilden die Sprache, in der DIN 18041 und die Planungspraxis arbeiten.

Nachhallzeit T₁₆₀

Zeit, in der der Schallpegel nach dem Abschalten der Quelle um 60 dB abfällt. Die zentrale Planungsgröße der DIN 18041.

Einheit: Sekunden [s]

Schallabsorptionsgrad αw

Materialkenngröße zwischen 0 (vollständig reflektierend) und 1 (vollständig absorbierend). Der bewertete Einzahlwert αw gilt nach DIN EN ISO 11654.

Dimensionslos: 0 – 1,0

Äquivalente Absorptionsfläche A

Summe aller Raumflächen multipliziert mit ihrem jeweiligen Absorptionsgrad. Grundlage der Sabine'schen Formel T = 0,163 · V / A.

Einheit: Sabin [m²]

A/V-Verhältnis

Absorptionsfläche A geteilt durch Raumvolumen V. Für Büros der DIN 18041 Gruppe B gilt A/V als Hauptkriterium (statt einer festen Nachhallzeit) — je nach Bürotyp typischerweise im Bereich 0,20 bis 0,30.

Einheit: 1/m [m²/m³]

Nachhallkurve: Exponentieller Schallpegelabfall in dB über die Zeit. T60 markiert bei 1,5 s (Beispiel eines halligen Raums). Büro-Zielwert nach DIN 18041: T60 = 0,5–0,7 s.

Nachhallzeit T₁₆₀ erklärt

Die Nachhallzeit T₁₆₀ beschreibt, wie lange Schall im Raum „nachklingt". Es ist die Zeit, in der der Schallpegel nach dem Abschalten der Quelle um 60 Dezibel (dB) abfällt.

Sie wird aus dem Raumvolumen V (m³) und der äquivalenten Schallabsorptionsfläche A (m²) berechnet, der Sabine'schen Formel:

T = 0,163 · V / A

T [s]  ·  V = Raumvolumen [m³]  ·  A = Absorptionsfläche [m²]

Je größer A (mehr Absorber im Raum), desto kürzer T. Das ist die physikalische Grundlage aller Akustikmaßnahmen. Konkrete Zielwerte für verschiedene Raumtypen finden Sie in der Planungshilfe.

Schallreflexion an Oberflächen mit unterschiedlichem Absorptionsgrad: harte Wand reflektiert Schall fast vollständig (α ≈ 0), Akustikabsorber wandelt ihn in Wärme um (α ≈ 1)

Schallabsorptionsgrad α und αw

Der Schallabsorptionsgrad α beschreibt, welchen Anteil des auftreffenden Schalls ein Material absorbiert, also in Wärme oder Bewegungsenergie umwandelt, statt ihn zu reflektieren.

α = 0 bedeutet vollständige Reflexion (z. B. Betonwand, Glas). α = 1,0 bedeutet vollständige Absorption. Reale Materialien liegen dazwischen.

Der αw (bewerteter Schallabsorptionsgrad nach DIN EN ISO 11654) fasst das frequenzabhängige Verhalten eines Materials in einen einzigen Kennwert zusammen, gemessen im Hallraum gemäß DIN EN ISO 354. Er bildet die Grundlage für die Absorptionsklassen A bis E.

Betonwand (roh)
αw ≈ 0,02
Teppichboden
αw ≈ 0,25
Mineralwolle-Paneel
αw ≈ 0,75
Unsere Akustikprodukte
αw ≥ 0,90 · Klasse A

Schallabsorptionsklassen A bis E nach DIN EN ISO 11654

Die fünf Klassen ordnen Materialien nach ihrem αw-Wert. Klasse A ist die höchste Absorption. Für effektive Raumakustik werden Produkte der Klassen A und B empfohlen.

Absorptionsklassen A bis E nach DIN EN ISO 11654: Klasse A (αw ≥ 0,90, höchste Absorption), B (0,80–0,85), C (0,60–0,75), D (0,30–0,55), E (0,15–0,25). Akustikprodukte von Schallminderung GbR erreichen Klasse A.

Raumakustik vs. Schallschutz – eine wichtige Unterscheidung

Beide Begriffe werden häufig verwechselt. Sie beschreiben jedoch grundlegend verschiedene physikalische Probleme und erfordern unterschiedliche Maßnahmen.

Raumakustik

Beeinflusst, wie Schall innerhalb eines Raumes klingt. Ziel: Nachhall reduzieren, Sprachverständlichkeit verbessern, Lärmpegel senken.

  • Akustikdeckensegel, Wandpaneele, Stellwände
  • Norm: DIN 18041 (Hörsamkeit in Räumen)
  • Unser Fachgebiet – wir beraten Sie gerne

Schallschutz (Schalldämmung)

Verhindert, dass Schall zwischen Räumen übertragen wird. Ziel: Schall an Wänden, Decken, Böden dämmen („Bauakustik").

  • Schwere Massivwände, Trittschalldämmung, Doppelverglasung
  • Norm: DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau)
  • Nicht unser Angebot, bitte hierzu Bauakustiker kontaktieren.

Praxishinweis: Schallschutz-Maßnahmen (z. B. schwere Akustikdeckensegel) können die Schalldämmung zwischen Etagen leicht verbessern. Sie ersetzen jedoch keine bauliche Schalldämmung. Für ernsthafte Trennwände zwischen Büros empfehlen wir zusätzlich bauakustische Fachplanung.

Relevante Normen und Vorschriften

Für gewerbliche Arbeitsstätten in Deutschland kommen mehrere Normen und Vorschriften zur Anwendung. Während ArbStättV und ASR A3.7 verbindlich sind, gelten DIN 18041 und ISO 11690 als anerkannte Regeln der Technik und liefern Planungsgrundlagen für Nachhallzeiten, Schallpegel und absorbierende Flächen.

1

DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen"

Die zentrale Planungsnorm für Raumakustik in Deutschland. Sie teilt Räume in Gruppe A (Sprachkommunikation über größere Entfernung: Bühnen, Konferenzsäle) und Gruppe B (kurze Kommunikation: Büros, Flure, Kantinen) ein und definiert für Gruppe A volumenabhängige Nachhallzeit-Sollwerte sowie für Gruppe B A/V-Mindestverhältnisse. Ergänzt durch die VDI 2569 für Büroa­rbeitsplätze.

Sollwerte in der Planungshilfe →
2

DIN EN ISO 11690 „Lärmarme Arbeitsplätze"

Internationale Norm mit Empfehlungen zur Gestaltung lärmarmer Maschinenaufstellflächen und Werkstätten. Teil 1 definiert Planungsgrundsätze, Teil 2 gibt Maßnahmen zur Lärmminderung an der Quelle und am Übertragungsweg vor. Für Büros und Konferenzräume gilt parallel die ArbStättV / ASR A3.7.

3

Arbeitsstättenverordnung & ASR A3.7

Die ArbStättV verpflichtet Arbeitgeber, Lärm auf ein gesundheitlich unbedenkliches Maß zu reduzieren. Die konkretisierende ASR A3.7 legt fest: In Büros und Verwaltungsräumen darf der Beurteilungspegel 70 dB(A) nicht überschreiten; für schwierige Aufgaben (konzentrierte Denkarbeit) gilt ein Richtwert von 55 dB(A). Akustikmaßnahmen sind bei Überschreitung arbeitsschutzrechtlich verpflichtend.

4

DIN EN ISO 354 & 11654 – Messung und Bewertung

DIN EN ISO 354 beschreibt die Hallraummessung: Ein Material wird in einem normkonformen Hallraum platziert und die Nachhallzeit mit und ohne Material gemessen. Die Differenz ergibt den frequenzabhängigen Absorptionsgrad. DIN EN ISO 11654 legt fest, wie aus den Frequenzwerten der Einzahlwert αw und die Absorptionsklasse A–E abgeleitet werden. Nur nach diesen Normen zertifizierte Messwerte gelten als nachweisfähig.

Glossar der Raumakustik

Die wichtigsten Fachbegriffe für Planung, Ausschreibung und Fachgespräche im Überblick.

Nachhallzeit T (T₁₆₀) [s]
Zeit, in der der Schalldruckpegel nach dem Abschalten der Schallquelle um 60 dB abfällt. Gemäß DIN 18041 das zentrale Planungskriterium. Für Mehrpersonenbüros gilt T ≈ 0,5–0,7 s als optimal.
Schallabsorptionsgrad α (Alpha) [dimensionslos]
Frequenzabhängiger Kennwert 0–1 für die Absorptionsfähigkeit eines Materials. α = 0 = vollständige Reflexion; α = 1 = vollständige Absorption. Gemessen gemäß DIN EN ISO 354.
Bewerteter Schallabsorptionsgrad αw [dimensionslos]
Einzahlwert nach DIN EN ISO 11654, der die frequenzabhängigen α-Werte zu einem Kennwert verdichtet. Grundlage der Absorptionsklassen A–E. Unsere Produkte: αw ≥ 0,90 (Klasse A).
Äquivalente Schallabsorptionsfläche A [m², Sabin]
Summe aller Raumflächen multipliziert mit ihrem Absorptionsgrad: A = ∑(Sᵢ · αᵢ). Einheit: Sabin (entspricht m² bei α = 1). Eingang in die Sabine'sche Formel.
A/V-Verhältnis [m²/m³, 1/m]
Quotient aus äquivalenter Absorptionsfläche A und Raumvolumen V. Das Planungskriterium der DIN 18041 Gruppe B: Einzelbüro ≥ 0,20; Mehrpersonenbüro ≥ 0,25; Callcenter ≥ 0,30.
Direktschall
Schall, der auf direktem Weg ohne Reflexion von der Quelle zum Empfänger gelangt. Trifft zuerst ein, enthält die deutlichste Sprachinformation. Seine Stärke nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab (1/r²-Gesetz).
Frühreflexion (First Reflections, < 50 ms)
Erste Reflexionen, die innerhalb von 50 ms nach dem Direktschall eintreffen. Das Gehör integriert sie nach dem Haas-Effekt mit dem Direktschall. Diese erhöhen die wahrgenommene Lautheit ohne Verständlichkeitsverlust.
Nachhall (Spätreflexionen, > 50 ms)
Mehrfachreflexionen, die mehr als 50 ms nach dem Direktschall ankommen. Sie überlagern nachfolgende Sprachsilben, verschlechtern die Sprachverständlichkeit und erhöhen den wahrgenommenen Geräuschpegel.
Sprachverständlichkeitsindex STI [0–1]
Speech Transmission Index – Einzahlmaß für die objektive Sprachverständlichkeit (IEC 60268-16). STI ≥ 0,70 gilt als „gut" bis „ausgezeichnet" für Bürokommunikation. Wird durch kurze Nachhallzeit und hohen Direktschallanteil verbessert.
Schalldruckpegel / dB(A) [Dezibel]
Logarithmisches Maß für den Schalldruck. A-Bewertung (dB(A)) gewichtet Frequenzen entsprechend der menschlichen Hörempfindlichkeit. Typische Pegelwerte: Bürogespräch 60 dB(A), Großraumbüro 65–70 dB(A), Grenzwert ASR A3.7: 55 dB(A).

Akustiklösungen für Gewerbe & Industrie

Alle unsere Akustikprodukte erreichen Absorptionsklasse A (αw ≥ 0,90) und sind nach DIN EN ISO 354 geprüft. Von flexiblen Stellwänden über dekorative Akustikbilder bis zu raumgreifenden Deckensegeln, die richtige Kombination für jede Nutzungsart.

Grundlagen verstanden? Jetzt planen.

Die Planungshilfe zeigt DIN 18041-Sollwerte nach Raumtyp, konkrete Berechnungsbeispiele und passende Produktkombinationen.

Zur Planungshilfe

Häufige Fragen zu den Grundlagen der Raumakustik

Was ist der Unterschied zwischen Raumakustik und Schallschutz?

Raumakustik beschreibt, wie Schall innerhalb eines Raumes klingt und wie gut Sprache verständlich ist. Schallschutz (Schalldämmung) verhindert, dass Schall zwischen Räumen übertragen wird, z. B. durch Trennwände, Decken oder Böden. Beide Disziplinen erfordern unterschiedliche Maßnahmen: Raumakustik wird durch Absorber gelöst, Schallschutz durch Masse und bauliche Maßnahmen.

αw ist der bewertete Schallabsorptionsgrad nach DIN EN ISO 11654. Er fasst das frequenzabhängige Absorptionsverhalten eines Materials in einen einzigen Kennwert zusammen, der Vergleiche zwischen Produkten ermöglicht. Ein αw von 0,90 bedeutet: Das Material absorbiert 90 % des auftreffenden Schalls. Werte ≥ 0,90 entsprechen der höchsten Absorptionsklasse A.

Für Einzelbüros (DIN 18041 Gruppe B3) wird ein A/V-Verhältnis von mindestens 0,20 empfohlen, was einer Nachhallzeit von etwa 0,7–0,8 s entspricht. Für Mehrpersonenbüros (B4) gilt A/V ≥ 0,25 (≈ T ≤ 0,7 s). Exakte Sollwerte hängen vom Raumvolumen ab und werden in der Planungshilfe mit konkreten Berechnungsbeispielen erläutert.

Ja. DIN 18041 gilt für alle Räume bis 5.000 m³ Volumen. Büros fallen in Gruppe B (kurze Kommunikation, Planung primär über A/V-Verhältnisse), Konferenzräume je nach Nutzungsszenario in Gruppe A3 (Sprachkommunikation/Unterricht) oder — bei besonderen Anforderungen wie Inklusion oder hochwertiger Videokonferenz — in A4. Die Planungspflicht ergibt sich zusätzlich aus der Arbeitsstättenverordnung und der ASR A3.7, die konkrete Pegelobergrenzen vorschreiben.

Der Schallabsorptionsgrad wird nach DIN EN ISO 354 im Hallraum gemessen. Aus den Messungen wird nach DIN EN ISO 11654 der Einzahlwert αw und die Absorptionsklasse A–E berechnet. Achten Sie bei Produktvergleichen darauf, dass Herstellerangaben auf diesen Normen basieren, nicht auf vereinfachten NRC-Werten (US-amerikanische Norm).

Nachdem Sie die Theorie verstanden haben, können Sie nun Ihren Raum planen.

Die Planungshilfe konvertiert diese grundlegenden Prinzipien in präzise DIN 18041-Sollwerte, detaillierte Berechnungsbeispiele und spezifische Produktempfehlungen, die auf Ihren individuellen Raumtyp und Ihre Raumgröße zugeschnitten sind.

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