Anonymisierte Referenz | Konferenzraumakustik
Schallminderung in einem Videokonferenzraum mit schallabsorbierender Videoleinwand
Diese Fallstudie dokumentiert die akustische Optimierung eines Videokonferenzraums mit ca. 116 m² Grundfläche und rund 348 m³ Raumvolumen. Ausgangslage: eine Nachhallzeit von über 2,36 Sekunden, deutlich oberhalb der für Konferenzräume empfohlenen 0,8 bis 1,2 Sekunden. Statt sichtbarer Akustik-Sonderbauten wurden vorhandene Funktionsflächen schallwirksam ausgeführt, eine schallabsorbierende Videoleinwand und zwei großformatige Akustikbilder mit fotorealistischem Digitaldruck.
Referenzbilder
Schallabsorbierende Videoleinwand und Akustikbilder im eingebauten Zustand
Das Problem: Hall im Videokonferenzraum stört Sprach- und Tonqualität
Der Videokonferenzraum mit ca. 116 m² Grundfläche und rund 348 m³ Raumvolumen wies im Ausgangszustand eine Nachhallzeit von über 2,36 Sekunden auf. Für einen Konferenzraum liegt dieser Wert weit oberhalb des empfohlenen Bereichs von etwa 0,8 bis 1,2 Sekunden. Ursache waren die schallharten Raumflächen, insbesondere freie Beton- und Deckenflächen sowie große Fensterflächen, sowie die zum Messzeitpunkt fehlende Bestuhlung.
In der Praxis führt eine so lange Nachhallzeit zu spürbar reduzierter Sprachverständlichkeit. Besonders kritisch ist die Wirkung in Videokonferenzen: Raummikrofone übertragen den Nachhall mit, wodurch die Gegenseite eine verwaschene, schwer verständliche Tonqualität hört. Zugleich ermüden Teilnehmende in längeren Sitzungen schneller.
Eine besondere Anforderung bestand darin, die Akustik zu verbessern, ohne die architektonisch anspruchsvolle Raumgestaltung zu beeinträchtigen. Akustisch wirksame Elemente sollten daher zusätzlich eine gestalterische oder funktionale Aufgabe übernehmen.
Analyse und Planung nach DIN 18041
Konferenz- und Besprechungsräume zählen zu den Räumen mit Sprachkommunikation, für die die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen" unmittelbar anwendbar ist. Für die vorgesehene Konferenz- und Videokonferenznutzung wurde daraus, abhängig von Raumgröße, Nutzung, Möblierung, Belegung und Elektroakustik, ein projektspezifischer Zielbereich von etwa 0,8 bis 1,2 Sekunden im sprachrelevanten Frequenzbereich abgeleitet.
Über die Sabine-Formel A = 0,163 · V / T lässt sich der Absorptionsbedarf abschätzen: Für ein Raumvolumen von rund 348 m³ und eine Ziel-Nachhallzeit im Bereich von 1,0 bis 1,2 Sekunden ergeben sich rechnerisch grob 47 bis 57 m² Sabin äquivalente Absorptionsfläche. Aus dem Ausgangswert von über 2,36 Sekunden folgt ein deutlicher zusätzlicher Absorptionsbedarf, der je nach Frequenzbereich, Bewertungsmethode und späterem Möblierungszustand variiert.
Ausdrücklich berücksichtigt wurde der Vorbehalt, dass freie Beton- und Glasflächen sowie eine fehlende Bestuhlung weitere Maßnahmen erforderlich machen können. Insbesondere im tieffrequenten Bereich unterhalb von etwa 300 Hz, in dem vor allem raumakustische Moden und tieffrequente Sprachanteile wirken, sind flächige Absorber wie Wandelemente oder Deckensegel systembedingt schwächer.
Die Planungsleitidee lautete deshalb, vorhandene Funktionsflächen akustisch zu aktivieren: die ohnehin benötigte Projektions- und Videoleinwand als schallabsorbierendes Element auszuführen und großformatige Wandbilder als Akustikbilder zu realisieren. Für den tieffrequenten Bereich wurde eine optionale Erweiterung mit mobilen Bassabsorbern vorgesehen.
Zum AkustikplanerDie Lösung: Akustik in Funktionsflächen integriert
Die umgesetzte Lösung verbindet akustische Wirksamkeit mit gestalterischer und funktionaler Doppelnutzung. Statt zusätzliche, sichtbare Absorberflächen einzubauen, wurden Flächen schallwirksam ausgeführt, die im Raum ohnehin gebraucht werden:
- Schallabsorbierende Videoleinwand. Eine großflächige Projektions- und Videoleinwand im Akustiksystem AluFrame DS 49 G wirkt gleichzeitig als breitbandiger Absorber. Damit übernimmt das größte Wandelement des Raumes neben der Bildwiedergabe einen bedeutenden Teil der lokal wirksamen Schallabsorption.
- Zwei großformatige Akustikbilder. Zwei Elemente im AluFrame-System DS49 G (ca. 4,10 × 1,90 m und ca. 3,40 × 1,90 m) mit fotorealistischem Digitaldruck verbinden eine repräsentative Gestaltung mit hoher Schallabsorption. Die Bespannung ist werkzeuglos wechselbar, das Motiv kann später angepasst werden.
- Optionale Erweiterung: mobile Bassabsorber. Für tieffrequente Raumresonanzen unterhalb von etwa 300 Hz, bei denen flächige Absorber schwächer wirken, sind mobile Bassabsorber (Sound Butler TP35) als Erweiterung vorgesehen. Sie sind werkzeuglos aufstellbar und können nach Möblierung des Raumes gezielt ergänzt werden.
Technisch beruhen Videoleinwand und Akustikbilder auf dem gleichen Aufbau: Aluminiumrahmen mit eingelegtem Akustikschaum (Basotect, 45 mm), Bautiefe 49 mm, textile Bespannung. Die akustische Bewertung liegt bei Absorberklasse B nach EN ISO 11654, nach VDI 3755 als hochabsorbierend klassifiziert, das Brandverhalten erfüllt B1. Die Flächenabsorber decken vor allem den mittleren und hohen Frequenzbereich ab, der für Sprachverständlichkeit und Videokonferenz-Mikrofone entscheidend ist; die optionalen Bassabsorber ergänzen den tieffrequenten Bereich.
Ergebnis und Daten
- Raumdaten: Videokonferenzraum, ca. 116 m² Grundfläche, ca. 348 m³ Raumvolumen
- Ausgangs-Nachhallzeit: über 2,36 s, ohne akustische Korrekturen und im unmöblierten Zustand ermittelt
- Empfohlener Zielbereich: ca. 0,8 bis 1,2 s nach DIN 18041 für Konferenzräume
- Umgesetzte Maßnahme: eine schallabsorbierende Videoleinwand (Projektionsfläche im Akustiksystem AluFrame DS 49 G) sowie zwei großformatige Akustikbilder (ca. 4,10 × 1,90 m und ca. 3,40 × 1,90 m)
- Akustische Bewertung: Absorberklasse B nach EN ISO 11654, nach VDI 3755 als hochabsorbierend klassifiziert, Füllung Basotect 45 mm, Bautiefe 49 mm, Brandverhalten B1
- Eingebrachte Zusatzabsorption: rund 25 bis 35 m² Sabin äquivalente Absorptionsfläche im mittleren sprachrelevanten Frequenzbereich (Wert je nach Frequenzlage, Bewertungsmethode und Möblierungszustand)
- Planungsziel: Rückführung der Nachhallzeit in den empfohlenen Bereich von 0,8 bis 1,2 s und eine deutlich bessere Sprach- und Videokonferenz-Verständlichkeit
- Optionale Erweiterung: mobile Bassabsorber (Sound Butler TP35) für tieffrequente Resonanzen unterhalb von etwa 300 Hz, falls nach Möblierung weiterhin erforderlich
- Vorbehalt: durch freie Beton- und Glasflächen sowie den Möblierungszustand können weitere Maßnahmen sinnvoll werden; eine messtechnische Verifikation nach DIN EN ISO 3382 wird bei Bedarf ergänzt
- Gestalterischer Mehrwert: die Akustik ist in hochwertig gestaltete Funktions- und Gestaltungsflächen integriert, ohne sichtbaren Akustik-Sonderbau
Häufige Fragen zur Akustik in Videokonferenz- und Konferenzräumen
Welche Nachhallzeit ist für einen Videokonferenzraum sinnvoll?
Für Konferenz- und Besprechungsräume empfiehlt die DIN 18041 eine Nachhallzeit von etwa 0,8 bis 1,2 Sekunden. Im dokumentierten Projekt lag der Ausgangswert ohne akustische Korrekturen bei über 2,36 Sekunden, also deutlich oberhalb dieses Bereichs. Der konkrete Zielwert hängt von Raumvolumen, Nutzung und Möblierung ab.
Kann eine Videoleinwand gleichzeitig Schall absorbieren?
Ja. Eine Projektionsfläche im Akustiksystem AluFrame verbindet die Bildwiedergabe mit einem schallabsorbierenden Aufbau aus Akustikschaum und textiler Bespannung. Das größte Wandelement des Raumes übernimmt so neben seiner Funktion als Videoleinwand einen bedeutenden Teil der lokal wirksamen Schallabsorption, ohne zusätzliche sichtbare Absorberflächen.
Warum Akustikbilder statt klassischer Absorberplatten?
Akustikbilder verbinden eine hochwertige Gestaltung mit fotorealistischem Digitaldruck und hoher Schallabsorption im selben Element. In diesem Projekt erreichen sie Absorberklasse B nach EN ISO 11654 und werden nach VDI 3755 als hochabsorbierend klassifiziert. Die Bespannung ist werkzeuglos wechselbar, sodass Motive später angepasst werden können.
Warum sind zusätzlich Bassabsorber sinnvoll?
Flächige Absorber wie Wandelemente, Akustikbilder oder Deckensegel wirken im tieffrequenten Bereich unterhalb von etwa 300 Hz systembedingt schwächer. Dort wirken vor allem raumakustische Moden und tieffrequente Sprachanteile. Mobile Bassabsorber wie der Sound Butler TP35 ergänzen genau diesen Bereich und werden bei Bedarf nach der Möblierung des Raumes hinzugenommen.
Welche Normen und Regeln sind relevant?
Maßgeblich ist die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen", die für Konferenzräume mit Sprachkommunikation unmittelbar gilt. Die Bewertung der Absorber erfolgt über die Schallabsorptionsklassen nach EN ISO 11654 und die Einstufung nach VDI 3755. Eine messtechnische Überprüfung der Nachhallzeit ist nach DIN EN ISO 3382 möglich.
Nächster Schritt
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