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Service-Desk-Bereich einer Industriehalle mit waagerechten Akustik-Deckensegeln und senkrechten Baffles unter 5 m hoher Decke

Anonymisierte Referenz | Industrieakustik

Schallminderung im Service-Desk-Bereich einer Industriehalle

Diese Fallstudie dokumentiert eine gezielte Akustik-Optimierung innerhalb einer 400 m² großen Industriehalle mit 5 m Deckenhöhe und rund 2.000 m³ Raumvolumen. Bewusst wurde nicht die gesamte Halle raumakustisch ausgestattet, sondern der akustisch kritische Service-Desk-Bereich mit Kundenkontakt. Dort kombiniert die Maßnahmenplanung waagerechte Deckensegel, senkrechte Baffles und mobile Stellwände zu einer wirtschaftlichen, zonierten Schallminderung genau am Ort der Sprachkommunikation.

Referenzbilder

Akustik-Deckensegel und Baffles im eingebauten Zustand

Service-Desk-Zone in einer Industriehalle mit waagerecht abgehängten Akustik-Deckensegeln und senkrechten Baffles unter 5 m hoher Decke
Deckensegel und Baffles über dem Service Desk
Detailansicht abgehängter Akustik-Deckensegel über dem Service-Desk-Bereich in einer Industriehalle
Großflächige Deckenabsorption reduziert die Nachhallzeit vor allem in den für Sprache wichtigen mittleren Frequenzen
Gezielte Zonenlösung am Service Desk einer 400 m² großen Industriehalle mit kombinierten Deckensegeln und mobilen Stellwänden
Zonierung: Deckenabsorber für die lokale Bedämpfung, Stellwände für die Abschirmung des Service Desks gegen den Hallenlärm

Das Problem: Lange Nachhallzeit und gestörte Sprachverständlichkeit

In einer 400 m² großen Industriehalle mit 5 m Deckenhöhe befindet sich ein Service Desk mit regelmäßigem Kundenkontakt. Durch die baulich bedingten schallharten Oberflächen der Halle, etwa Trapezblechdecke, Sichtbeton, Estrich, glatte Wandflächen und Fenster, ergibt sich eine überdurchschnittlich lange Nachhallzeit von mehr als 2,5 Sekunden in den mittleren Frequenzbereichen. Für einen Bereich mit Kundengesprächen liegt dieser Wert deutlich oberhalb eines sinnvollen akustischen Zielbereichs.

Konkret beobachtete Auswirkungen am Service Desk: Die Sprachverständlichkeit war bereits auf eine Distanz von 3 bis 5 Metern beeinträchtigt. Kunden- und Telefongespräche überlagerten sich mit dem Hallenlärm, wodurch die Verständigung am Tresen erschwert war. Subjektiv wurde ein durchgängig hoher Geräuscheindruck wahrgenommen, der nach mehreren Stunden zu einer deutlichen Konzentrationsabnahme führte.

Eine raumakustische Vollausstattung der gesamten Halle wäre für diese Nutzung unwirtschaftlich gewesen, da nur ein abgegrenzter Bereich kommunikationsrelevant genutzt wird. Das akustische Problem ist räumlich klar lokalisierbar und damit auch räumlich gezielt lösbar.

Analyse und Planung nach raumakustischen Zielwerten

Die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen" ist primär für Räume mit Sprachkommunikation ausgelegt; eine Industriehalle als solche fällt nicht unmittelbar unter ihre klassische Anwendungssystematik. Sie diente hier daher als planerische Orientierung für die Service-Desk-Zone innerhalb der Halle. Da Industriehallen je nach Nutzung sehr unterschiedlich zu bewerten sind, wurde kein pauschaler Normwert übernommen, sondern ein projektspezifischer Zielbereich für die Nachhallwirkung am Service Desk definiert.

Zum Vergleich wurde zunächst der theoretische Bedarf einer Vollausstattung berechnet: Für das gesamte Hallenvolumen von rund 2.000 m³ und eine Ziel-Nachhallzeit von ca. 1,0 Sekunde ergeben sich nach der Sabine-Formel A = 0,163 · V / T rund 326 m² Sabin, abzüglich vorhandener Absorption ein zusätzlicher Bedarf von etwa 270 bis 290 m² Sabin. Eine Behandlung der gesamten Halle in dieser Größenordnung wurde bewusst verworfen, da nur die Service-Desk-Zone eine sprachintensive Nutzung mit regelmäßigem Kundenkontakt aufweist.

Stattdessen wurde eine gezielte Zonenoptimierung gewählt: Über dem Service Desk und in seinem unmittelbaren Umfeld wird die Nachhallzeit lokal abgesenkt und der Bereich akustisch vom übrigen Hallenlärm abgeschirmt. Dieser Ansatz erzielt die Wirkung dort, wo Kundengespräche stattfinden, bei deutlich geringerem Material- und Investitionsaufwand als eine Vollausstattung.

Die Feinplanung der Zone berücksichtigte vier Parameter: die wirksame Absorberfläche über dem Tresenbereich, Montagehöhe und Abhängung bei 5 m Deckenhöhe, frequenzabhängige Absorption im Sprachbereich sowie die Abschirmung des Service Desks gegenüber den lauten Hallenbereichen.

Der Akustikplaner liefert die erste Bedarfsabschätzung anhand von Raumvolumen, Nutzungsart und vorhandener Möblierung. Die Detailplanung erfolgt anschließend produktspezifisch über Datenblätter mit frequenzabhängigen Absorptionswerten, αw nach EN ISO 11654 und Schallabsorptionsklassen A bis E.

Zum Akustikplaner

Die Lösung: Dreistufige Maßnahmenkombination

Für die Service-Desk-Zone unter 5 m Deckenhöhe ist eine reine Deckenlösung nicht die effizienteste Variante: Bei großer Raumhöhe wirkt eine ausschließlich an der Decke platzierte Absorption am Tresen nur begrenzt, und der Schall aus den lauten Hallenbereichen bleibt unberücksichtigt. Die gewählte Lösung kombiniert deshalb drei Wirkebenen, konzentriert auf den Service-Desk-Bereich:

  1. Deckenebene: waagerechte Akustik-Deckensegel. Großflächige Absorber abgehängt über dem Tresenbereich, ausgelegt für breitbandige Absorption mit hoher Wirksamkeit im Sprachbereich. Sie sorgen für eine wirksame lokale Grundbedämpfung im Bereich des Service Desks und reduzieren die Nachhallwirkung im behandelten Bereich deutlich.
  2. Vertikalebene: senkrecht abgehängte Akustik-Baffles. Bei 5 m Deckenhöhe sind Baffles besonders interessant, weil sie beide Oberflächen schallabsorbierend nutzen und das Luftvolumen oberhalb der Arbeitszone zusätzlich bedämpfen. Dadurch können sie bei geeigneter Anordnung (ausreichender Abstand, freie Umströmung) je nach Frequenzbereich höhere wirksame Absorptionsbeiträge liefern als rein flächige Lösungen gleicher projizierter Grundfläche.
  3. Arbeitsplatzebene: mobile Akustik-Stellwände. Direkte Abschirmung an Telefonarbeitsplätzen und in Sprechzonen. Sie reduzieren den direkten Schallübergang zwischen Tresen und Halle und verbessern insbesondere im Nahbereich die wahrnehmbare Abschirmung und Konzentration.

Diese Kombination adressiert den für Sprachverständlichkeit wichtigen Frequenzbereich: Deckensegel und Baffles tragen wesentlich zur Reduktion der Nachhallzeit in den mittleren und hohen Frequenzen bei. Ergänzend verbessern Stellwände die räumliche Trennung zwischen Arbeitsplätzen und reduzieren direkte Schallpfade.

Ergebnis und Daten

  • Hallendaten: Industriehalle, ca. 400 m² Grundfläche, ca. 5 m Deckenhöhe, ca. 2.000 m³ Raumvolumen
  • Maßnahmenbereich: ausschließlich die Service-Desk-Zone mit Kundenkontakt, keine Vollausstattung der Halle
  • Planungsumfang: 8 Akustik-Deckensegel (200 × 150 cm) und 6 senkrechte Baffles (2,20 × 0,80 m) über und um den Service Desk
  • Eingebrachte Zusatzabsorption: ca. 35 m² Sabin rechnerische äquivalente Absorptionsfläche im mittleren, sprachrelevanten Frequenzbereich (Wert je nach Frequenzbereich und Bewertungsmethode), gezielt in der Service-Desk-Zone und nicht auf die Gesamthalle bezogen
  • Akustisches Ziel: deutliche lokale Reduktion der wahrgenommenen Nachhallwirkung und bessere Sprachverständlichkeit im Service-Desk-Bereich, orientiert an Zielwerten von etwa 0,8 bis 1,0 s im sprachrelevanten Frequenzbereich (orientierende Größe, kein homogener RT60-Wert der offenen Halle)
  • Lokale Schallreduktion: deutliche Absenkung der Nachhallzeit in den mittleren Frequenzbereichen innerhalb der behandelten Zone bei entsprechender Ausführung und Verteilung der Absorber
  • Wahrnehmbare Pegelwirkung: akustisch deutlich ruhigere, spürbar leisere Situation im Tresenbereich; durch die Stellwände hat die wahrnehmbare Abschirmung gegenüber dem Hallenlärm zusätzlich deutlich zugenommen. Eine messtechnische Quantifizierung (z. B. nach DIN EN ISO 3382 mit definierten Messpunkten) wird bei Bedarf ergänzt
  • Wahrnehmbare Wirkung: verbesserte Sprachverständlichkeit im Kundengespräch, klarere Abgrenzung zur lauten Halle und reduzierte Hörermüdung

Häufige Fragen zur Akustik in Industriehallen

Wie viel Absorptionsfläche braucht eine Halle mit 400 m² und 5 m Deckenhöhe?

Für eine raumakustische Vollausstattung des gesamten Hallenvolumens von ca. 2.000 m³ und eine Ziel-Nachhallzeit von etwa 1,0 Sekunde ergeben sich nach der Sabine-Formel rund 326 m² Sabin als rechnerischer Zielwert. Abzüglich vorhandener Absorption durch Boden, Personen, Möblierung und Einbauten verbliebe ein zusätzlicher Bedarf von rund 270 bis 300 m² Sabin. Wird hingegen nur eine kritische Teilzone wie ein Service Desk behandelt, liegt der tatsächliche Bedarf deutlich darunter, im hier dokumentierten Projekt bei rund 35 m² Sabin in der behandelten Zone.

Muss immer die gesamte Halle akustisch optimiert werden?

Nein. Wenn nur ein abgegrenzter Bereich kundenrelevante oder konzentrationskritische Sprachkommunikation aufweist, ist eine gezielte Zonenoptimierung oft die wirtschaftlichere und wirksamere Lösung. In diesem Projekt wurde bewusst entschieden, nicht die komplette 400-m²-Halle auszustatten, sondern den Service-Desk-Bereich mit Kundenkontakt: Deckensegel senken dort die Nachhallzeit lokal, Baffles erhöhen die wirksame Absorptionsfläche und mobile Stellwände schirmen den Tresen gegen den übrigen Hallenlärm ab. So entsteht die akustische Wirkung genau am Ort des Bedarfs bei deutlich geringerem Investitionsaufwand.

Reichen Deckensegel allein bei 5 m Raumhöhe aus?

Das hängt von Raumvolumen, Nutzung, Schallquellen, Deckenbelegung und gewünschtem Zielwert ab. Bei großen Raumhöhen ist eine ausschließliche Belegung der Decke jedoch nicht immer die effizienteste Lösung. Senkrecht hängende Baffles nutzen beide Oberflächen schallabsorbierend und können das Luftvolumen zwischen Decke und Arbeitszone zusätzlich bedämpfen. Eine Kombination aus Deckensegeln, Baffles und Stellwänden ist in vielen Industriehallen planerisch robuster als eine reine Deckenlösung.

Welche Normen und Regeln sind für die Akustik in Industriehallen relevant?

Für die raumakustische Zieldefinition kann die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen" als Orientierung herangezogen werden, wenn in der Halle relevante Sprachkommunikation stattfindet. Ergänzend sind arbeitsplatzbezogene Anforderungen wie die ASR A3.7 „Lärm" sowie bei büroähnlichen Bereichen innerhalb der Halle weitere Planungsgrundlagen zur Raumakustik zu berücksichtigen. Die konkrete Bewertung hängt immer vom Nutzungsprofil, den Schallquellen und den Arbeitsplätzen ab.

Wie lange dauert die Umsetzung einer solchen Maßnahme?

Planung, Abstimmung und Materialfreigabe benötigen erfahrungsgemäß etwa 2 bis 3 Wochen. Die Montage der Deckensegel und Baffles in einer 400 m² Halle kann, abhängig von Befestigung, Hallenbetrieb, Arbeitshöhe und Zugänglichkeit, häufig innerhalb weniger Arbeitstage erfolgen. Mobile Stellwände sind ohne bauliche Montage unmittelbar einsetzbar.

Nächster Schritt

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